Notfallübungen für Dein Nervensystem

Manche Tage fühlen sich überwältigend an. Stress, Angst, innere Unruhe, starke äußere Einflüsse oder intensive körperliche und emotionale Belastungen können unser Nervensystem an seine Grenzen bringen.

Für solche herausfordernden Zeiten findest Du hier verschiedene Notfallübungen, die dabei helfen können, wieder mehr Stabilität, Sicherheit und Ruhe zu spüren. Viele davon sind inspiriert von körperorientierten Ansätzen, der Polyvagal-Theorie sowie somatischen und osteopathischen Perspektiven auf Selbstregulation.

Diese Übungen sind keine Lösung für alle Probleme, können aber wertvolle Werkzeuge sein, um in schwierigen Momenten wieder etwas mehr Orientierung, Verbindung und Vertrauen in den eigenen Körper zu finden.

Probiere in Ruhe aus, welche Übungen für Dich stimmig sind. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich, und nicht jede Übung passt zu jeder Situation. Bewahre die Übungen, die Dir guttun, an einem leicht zugänglichen Ort auf, damit Du in herausfordernden Momenten darauf zurückgreifen kannst.

Love, Pia ❥

Übungen

Augenhorizont-Übung

  • Kopf bleibt gerade

  • Mit beiden Augen nach li. schauen

  • 20–30 Sekunden halten

  • Zur Mitte zurück.

  • Dasselbe nach rechts

  • und wieder zurück

Orientierungssystem, Hirnstamm und autonome Regulation werden angesprochen. Schneller Nervensystem- Reset.

Kiefer lösen

Der Kiefer ist oft eng mit Stress gekoppelt.

  • Zungenspitze locker an den Gaumen legen hinter Deine Schneidezähne

  • Lippen geschlossen, Zähne berühren sich nicht

  • Mehrmals bewusst und langsam über die Nase ausatmen, gerne auch seufzend

  • oder mit den Fingern sanft die Kaumuskulatur massieren

Der Kiefer steht über Muskeln, Nerven und Stressreaktionen in enger Verbindung mit dem autonomen Nervensystem; bewusstes Loslassen kann daher Anspannung reduzieren und dem Körper Sicherheit signalisieren.

Zwerchfellkontakt

  • Eine Hand auf den unteren Brustkorb

  • Eine auf den Oberbauch

  • oder beide nebeneinander auf die unteren Rippen

  • beobachte nur wie sich Deine Hände bewegen und lass Dich mal vom Atem führen…

In der Osteopathie wird das Zwerchfell als zentrale Verbindungsstelle zwischen Brustraum, Bauchraum, Atmung und Nervensystem betrachtet. Sanfter Kontakt kann dabei helfen, Spannungen wahrzunehmen, den Atem freier fließen zu lassen und die Selbstregulation des Körpers zu unterstützen.

Physiological Sigh

  • In den Bauch langsam einatmen

  • Noch einen kleinen zweiten Einatemzug oben drauf

  • und laaaange laut seufzend austamen.

  • 3-10 Wiederholungen

Diese Atemtechnik kann das Nervensystem innerhalb weniger Atemzüge beruhigen und dabei helfen, Stress, Anspannung und innere Unruhe zu reduzieren.

Selbstumarmung und Butterfly Hug

Halte Dich selbst durch wechselseitige Stimulation:

  • Kreuze die Arme und lege die Hände auf dem Brustkorb ab

  • Tappe abwechselnd re. und li. sanft auf Deine Herzregion

  • Atme dabei ruhig und summend aus

  • Umarme Dich anschließend fest und schwinge von re. nach li.

Unterstützt emotionale Integration und Selbstberuhigung.

Micro Shaking und shaken/ Spannung sanft lösen:

  • Steh locker und beginne leicht mit den Knien zu federn

  • Lass kleine, natürliche Vibrationen überall im Körper entstehen

  • shake nach und nach mehr

  • Spüre rein, was sich gut anfühlt

  • Du kannst auch richtig wild shaken, hüpfen, tanzen oder nur ganz ruhig shaken

  • spüre nach…

Entladung von gespeicherter Energie und Förderung von Lebendigkeit. Tipp: try it with your favorite music ;)

Füße am Boden:

  • Boden spüren und Sicherheit finden

  • Stell beide Füße bewusst auf den Boden

  • Drücke sie leicht hinein und spüre Druck, Wärme, Textur, und wo Du sie genau belastest

  • verlagere Dein Gewicht und drücke den jeweiligen Fuß in den Boden

  • Mit jedem Ausatmen darfst Du ein wenig mehr loslassen. Lass Dein Gewicht in den Boden sinken und stelle Dir vor, wie alles, was Du gerade nicht tragen musst, nach unten in die Erde abfließt.

Erdung über Propriozeption

Kälte und Wärme, Temperatur als Regulationstool:

  • Beginne mit etwa 2 Minuten Kälte: Kühle dafür Stirn, Nacken, Hände oder Füße mit/in kaltem Wasser oder einem kühlen Handtuch.

  • Wechsle anschließend für etwa 2 Minuten zur Wärme, z.B. mit einer Decke, Wärmflasche, oder indem Du eine oder beide Hände auf Dein Herz legst und Deine eigene Wärme wahrnimmst.

  • Danach kannst Du wieder zur Kälte wechseln und den Ablauf beliebig oft wiederholen.

  • Starte und beende die Übung möglichst mit der Kältephase.

  • Nimm währenddessen bewusst wahr, wie Dein Körper auf den Wechsel zwischen Kälte und Wärme reagiert.

Der Wechsel von Kälte und Wärme wirkt regulierend auf das autonome Nervensystem.

Und hier noch ein paar Notfallübungen zum Downloaden zusammengefasst.

Mini-Notfallsequenz (ca. 5 Minuten)

  1. Im Raum orientieren (30 Sekunden)

  2. Augen langsam links/rechts wandern lassen (1 Minute)

  3. Physiological Sigh ×5

  4. Bauchatmung mit Summen für 1 Minute

  5. Zwerchfellkontakt und Atem beobachten

  6. Aufstehen und Füße am Boden verankern, stampfen

Diese Kombination wird von vielen Menschen als deutlich wirksamer erlebt als reine Atemübungen, weil sie mehrere Systeme gleichzeitig anspricht: Orientierung, Augenbewegung, Stimme, Atmung und Berührung.

Bitte beachte…

dass ich keine Ärztin oder Psychotherapeutin bin. Dieser Kurs dient Deinem Wohlbefinden, ersetzt jedoch keine schulmedizinische Behandlung. Bei ernsthaften körperlichen oder psychischen Problemen empfehle ich Dir dringend, einen Arzt oder Therapeuten zu konsultieren, um eine fachgerechte Diagnose und Behandlung zu erhalten.

Deine Gesundheit liegt mir am Herzen!

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